SPD fordert Erhalt einer eigenständigen Pädagogischen Leitung für Baunatals Kitas

Veröffentlicht am 23.09.2026 in Stadtpolitik

Stefan Fensterer

SPD im Sozialausschuss als einzige Fraktion für den Antrag – hohe Qualitätsstandards der Baunataler Bildungslandschaft sollen erhalten bleiben

Die SPD-Fraktion Baunatal setzt sich für den dauerhaften Erhalt einer eigenständigen, vollzeitigen Pädagogischen Leitung für die 16 städtischen Kindertagesstätten ein. Mit einem Antrag zur Stadtverordnetenversammlung am 28. September fordert sie, die pädagogische Qualität, verbindliche Standards und die fachliche Unterstützung der Einrichtungen langfristig sicherzustellen.

In der vorbereitenden Sitzung des Sozialausschusses war die SPD die einzige Fraktion, die für den Antrag stimmte. Die endgültige Entscheidung trifft nun die Stadtverordnetenversammlung.

„Wir bedauern, dass unsere Forderung nach einer eigenständigen Pädagogischen Leitung im Sozialausschuss keine weitere Unterstützung gefunden hat“, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Strube. „Es geht nicht darum, eine Stelle oder ein Organigramm um ihrer selbst willen zu erhalten. Es geht um die Frage, welchen Stellenwert wir der pädagogischen Qualität unserer 16 städtischen Kindertagesstätten beimessen.“

Hintergrund ist die seit Ende März unbesetzte Stelle der bisherigen Pädagogischen Leitung. Nach Kenntnis der SPD plant Bürgermeister Henry Richter eine Neuorganisation der pädagogischen Steuerung. Ein entsprechendes Konzept sei bereits im Magistrat vorgestellt worden, eine ausführliche fachliche und politische Erörterung in den zuständigen Gremien habe bislang jedoch nicht stattgefunden.

„Bei einer Entscheidung, die so viele Kinder, Familien und Beschäftigte betrifft, erwarten wir Transparenz über die geplante Neuorganisation und ihre fachlichen Grundlagen“, so Strube.

„Bildung von Anfang an braucht die richtigen Strukturen.“ Für den bildungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Stefan Fensterer, steht die Diskussion in einem größeren Zusammenhang. „Baunatal hat sich über viele Jahre eine starke Bildungslandschaft aufgebaut. Sie war und ist ein Aushängeschild unserer Stadt“, betont Fensterer. „Unser Anspruch ist, Bildungschancen von Anfang an zu fördern und damit Chancengerechtigkeit, soziale Teilhabe und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Diesen Anspruch müssen wir auch dann aufrechterhalten, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen schwieriger werden.“

Gerade deshalb sieht die SPD eine eigenständige Pädagogische Leitung als notwendig an.

„Wer ernsthaft Bildung von Anfang an will, darf nicht bei den Strukturen sparen, die diese Qualität ermöglichen“, erklärt Fensterer. „Wir formulieren zu Recht hohe fachliche Ansprüche an unsere Kindertagesstätten. Dann müssen wir aber auch dafür sorgen, dass die Kita-Leitungen und ihre Teams auf Trägerebene die notwendige fachliche Begleitung und Unterstützung erhalten.“

Jede der 16 Kitas habe ihre eigene Leitung und ihre eigenen Herausforderungen. Gleichzeitig müsse die Stadt als Träger gewährleisten, dass gemeinsame Qualitätsstandards gelten und sich die pädagogische Arbeit kontinuierlich weiterentwickelt.

„Dafür braucht es eine zentrale Pädagogische Leitung, die den Überblick behält, Entwicklungen frühzeitig erkennt, die Einrichtungen fachlich begleitet und verbindlich steuern kann. Diese Verantwortung kann nicht nebenbei erledigt werden“, so Fensterer.

„Beratung allein ersetzt keine Leitung und Verantwortung.“ Besonders wichtig sei die Unterscheidung zwischen einer reinen Fachberatung und einer tatsächlichen Leitungsfunktion. „Beratung allein ersetzt keine Leitung und Verantwortung. Wenn schwierige Elternkonflikte entstehen, Teams Unterstützung benötigen, pädagogisch komplexe Situationen auftreten oder Fragen des Kinderschutzes zu klären sind, brauchen unsere Kita-Leitungen eine fachlich qualifizierte Ansprechperson, die nicht nur Empfehlungen ausspricht, sondern Verantwortung übernimmt, Lösungen koordiniert und notwendige Entscheidungen herbeiführen kann“, betont Fensterer.

Auch eine Verlagerung dieser Aufgaben auf die Fachbereichsleitung sieht die SPD kritisch. Diese trage bereits umfassende administrative, personelle, finanzielle und strategische Verantwortung.

„Die kontinuierliche pädagogische Begleitung von 16 Einrichtungen erfordert Zeit, Fachkompetenz und klare Zuständigkeiten. Sie darf nicht zu einer zusätzlichen Teilaufgabe werden, für die am Ende die notwendigen Kapazitäten fehlen“, so Fensterer.

Die SPD erkennt die Notwendigkeit von Einsparungen angesichts der angespannten Haushaltslage ausdrücklich an. Eine isolierte Betrachtung möglicher Personalkosteneinsparungen greife jedoch zu kurz.

„Wenn eine Stelle entfällt, verschwinden ihre Aufgaben nicht. Sie landen auf anderen Schreibtischen“, erklärt Strube. „Wer Aufgaben auf Kita-Leitungen oder andere Beschäftigte verlagert, muss auch die zusätzlichen Belastungen und mögliche Folgekosten berücksichtigen. Eine eingesparte Stelle bedeutet noch keine nachgewiesene Gesamtersparnis.“

Für die SPD ist der Erhalt hoher Standards gerade unter schwierigeren finanziellen Rahmenbedingungen auch eine Frage der sozialen Teilhabe.

„Gute frühkindliche Bildung darf nicht davon abhängen, welche Kita ein Kind besucht oder welche Voraussetzungen es von zu Hause mitbringt“, unterstreicht Fensterer. „Gemeinsame Qualitätsstandards und eine starke pädagogische Steuerung tragen dazu bei, allen Kindern gute Bildungs- und Entwicklungschancen zu ermöglichen. Genau dafür steht die Baunataler Bildungslandschaft.“

Mit ihrem Antrag fordert die SPD deshalb dauerhaft eine eigenständige, vollzeitige Pädagogische Leitungs- und Steuerungsfunktion mit angemessenen fachlichen Kompetenzen. Bis zur Neubesetzung müsse die fachliche Unterstützung der Einrichtungen durch geeignete Übergangsmaßnahmen gewährleistet bleiben.

„Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass hinter ihrer Kita ein fachlich leistungsfähiger Träger steht“, fasst Fensterer zusammen. „Eine neue Struktur muss mindestens dieselbe pädagogische Qualität und Handlungsfähigkeit gewährleisten wie bisher. Wer hohe Ansprüche an Bildung, Chancengerechtigkeit und Teilhabe formuliert, muss auch bereit sein, die dafür notwendigen Strukturen zu erhalten.“

 
 

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